Spanisch: Hauptsysteme-Geschlossene Verteidigung (Erster Überblick)

Beiträge zur Theorie der Schacheröffnungszüge
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Volkmar Höhne
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Spanisch: Hauptsysteme-Geschlossene Verteidigung (Erster Überblick)

Beitrag von Volkmar Höhne » Mittwoch 11. Januar 2017, 20:01

Die Geschlossene Verteidigung genießt die größte Popularität. Schwarz verliert im Gegensatz zur Offenen Verteidigung mit 5...Sxe4 keine Zeit mit nochmaligem Ziehen einer bereits entwickelten Figur. (Siehe: http://www.genialschach.de/forum/viewtopic.php?f=9&t=79) Stattdessen mobilisiert er seinen Läufer und steht so zur Rochade bereit. Im Vergleich zur "offenen" Spielweise mag dies weniger aktiv sein, verspricht dem Nachziehenden aber auch in taktischer Hinsicht mehr Sicherheit, da Weiß wenig direkte Drohungen aufstellen kann. Letztendlich ist die Wahl zwischen beiden Verteidigungen wohl eine Sache des persönlichen Stils des jeweiligen Spielers!
Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Spanische_Partie bzw. https://de.wikipedia.org/wiki/Geschloss ... he_Partie)

Die folgende Diagrammstellung nach den Zügen
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Le7

bildet den Ausgangspunkt verschiedener Möglichkeiten:
I. 6.d4
II. 6.De2
III. 6.Lxc6
Der am häufigsten angewandte und bewährte Zug ist jedoch
6.Te1 (deckt den jetzt ernsthaft gefährdeten Bauer e4 und bereitet die Zentrumsbildung mittels c3 und d4 vor) 6...b5 (sichert den Bauern e5; es drohte 7.Lxc6 dxc6 8.Sxe5 mit Materialgewinn; die weniger gespielte Alternative 6...d6 führt zur "Awerbach-Variante") 7.Lb3 0-0 (7...d6 8.c3 0-0 bedeutet Zugumstellung) 8.c3 d6 (8...d5 "Marshall-Angriff"; siehe http://www.genialschach.de/forum/viewtopic.php?f=9&t=92)

9.h3 ist jetzt eine Vorbeugungsmaßnahme, denn der Anziehende möchte so 9.d4 Lg4 vermeiden.
Er schaltet deshalb 9.h3 ein, bevor er sein geplantes 10.d4 mit gestützter Zentrumsstellung aufbaut. Zahlreiche praktische Partien und theoretische Analysen haben erwiesen, daß mit dieser Zugfolge die Optionen für Weiß deutlich größer sind.
Z.B. 9.d4 Lg4 und nun droht Schwarz mit 10...exd4 11.cxd4 Lxf3 Bauergewinn oder Aufreißung der Königsstellung. Weiß stehen daraufhin mit 10.d5 oder 10.Le3 zwei etwa gleichwertige Fortsetzungen zur Verfügung. In beiden Fällen bleibt ihm ein kleiner Vorteil übrig.
Oder Schwarz spielt zunächst 9...exd4 und dann nach 10.cxd4 erst jetzt 10...Lg4 wonach 11.d5 gut mit 11...Se5 beantwortet wird.
Alles in allem wird man sagen können, daß 9.d4 ein durchaus spielbarer Zug ist, Weiß sich jedoch in der Wahl seiner Entschlüsse mehr einschränkt.
Möglich ist auch 9.d3, eine solide Fortsetzung, die jedoch den Kampf um Raum im Zentrum zunächst aussetzt. Schwarz hat so wohl weniger Schwierigkeiten zu überwinden.
Nach dem wohl nachhaltigerem 9.h3

fächert sich das Spiel in verschiedene Abspiele auf:
I. 9...Sb8
II. 9...Lb7
III. 9...Sa5
IV. 9...h6
V. 9...Te8
VI. 9...Sd7
VII. 9...Le6

Allein schon diese Aufzählung läßt auf die ganze Komplexität der Geschlossenen Verteidigung in der Spanischen Partie schließen.

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Spanisch: Hauptsysteme-Geschlossene Verteidigung ("Breyer-System")

Beitrag von Volkmar Höhne » Donnerstag 12. Januar 2017, 18:52

Im Breyer-System befreit Schwarz seinen c-Bauern und beabsichtigt den Springer b8 nach d7 zu ziehen, von wo aus er e5 nach der logischen Fortsetzung 10. d2-d4 unterstützt. Danach kann Schwarz … Lc8-b7 und … c7-c5 folgen lassen.

Die folgende Partie zeigt einen jähen Zusammenbruch.

Zur Einstimmung auf "Breyer" weiteres Studienmaterial.

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Spanisch: Hauptsysteme-Geschlossene Verteidigung ("Flohr-Variante")

Beitrag von Volkmar Höhne » Donnerstag 12. Januar 2017, 19:45

9. … Lc8-b7 wurde von Salo Flohr in Verbindung mit dem Bauernopfer Le7xf6 nach 10. d2-d4 e5xd4 11. c3xd4 d6-d5 12. e4-e5 Sf6-e4 13. Sb1-c3 Sc6-a5 14. Lb3-c2 f7-f5 15. e5xf6 eingeführt. 15. … Le7xf6 16. Sc3xe4 d5xe4 17. Lc2xe4 Lb7xe4 18. Te1xe4 c7-c5 läßt Schwarz einen gewissen Druck ausüben.

Hält diese Einschätzung einer praktischen Prüfung stand?

Die großartige Einfachheit des Spiels von WM M.Tal imponiert auf jeden Fall!

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Spanisch: Hauptsysteme-Geschlossene Verteidigung ("Tschigorin-System")

Beitrag von Volkmar Höhne » Samstag 14. Januar 2017, 12:56

Dieses Abspiel galt lange Zeit als Hauptverteidigung in der Spanischen Partie. Heute hat das "Tschigorin-System" an Popularität eingebüßt. Schwarz muss einige Zeit in Anspruch nehmen, um seinen Randspringer von a5 zurück ins Spiel zu bringen.
In der folgenden Partie geht der Anziehende freilich zu ungestüm zu Werke.

Im nächsten Beispiel führt Bobby Fischer den weißen Angriff nach aufreibend langem Hin und Her zum Erfolg.

Eine weitere Partie zeigt die typische "Anatomie des geschlossenen Spaniers". Falls der schwarze "Randspringer" nicht rechtzeitig zum Schutz seines Königs herangebracht wird, kann es schnell zu Ende gehen.

Eine gelungene Demonstration richtiger Spielführung seitens des Nachziehenden ist die folgende Partie.

Weiteres Studienmaterial:



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