Spanisch: Hauptsysteme-Offene Verteidigung (Erster Überblick)

Beiträge zur Theorie der Schacheröffnungszüge
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Volkmar Höhne
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Spanisch: Hauptsysteme-Offene Verteidigung (Erster Überblick)

Beitrag von Volkmar Höhne » Samstag 7. Januar 2017, 16:53

Die Offene Verteidigung wurde zunächst vom deutschen Großmeister Siegbert Tarrasch wärmstens angepriesen. Später trug auch der Weltmeister Max Euwe zu ihrer Popularität bei, während der andere Weltmeister Jose Raul Capablanca sie eher für minderwertig einschätzte.
Für einen ersten Überblick siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Offene_Ve ... he_Partie)
Insbesondere die hier einführend zusammengefaßten strategischen Elemente sind sehr anschaulich dargelegt!
Falls Weiß den "Offenen Spanier" umgehen möchte, kann er z.B. mit 5.De2 die "Worral-Variante" anstreben. Siehe http://www.genialschach.de/forum/viewto ... ?f=9&t=103

Nachstehendes Diagramm zeigt die Ausgangsstellung der Offenen Verteidigung nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Sxe4:

Schwarz zieht auf Kosten der Entwicklung nochmals mit seinem Königsspringer und schlägt den weißen Zentralbauer, um somit freies Figurenspiel anzustreben. Allerdings läßt sich damit kein dauerhafter Materialgewinn realisieren. Schwarz gibt deshalb den zunächst gewonnenen Bauern beizeiten zurück und setzt so die Mobilisation seiner Streitkräfte fort.

Nach der am häufigsten eingeschlagenen Fortsetzung 6.d4 b5 7.Lb3 d5 8.dxe5 Le6 entsteht erneut eine wichtige Grundposition:

An dieser Stelle sind nun einige Abspiele möglich:
9.c3 (= Klassische Variante; siehe als Einstieg die zwei ersten Kurzpartien!)
9.De2 (= "Keres-Variante"; siehe dritte Kurzpartie)
9.Sbd2 (= Moderne Variante)
9.Le3 (= etwas weniger gebräuchliche Nebenvariante)






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Volkmar Höhne
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Spanisch: Hauptsysteme-Offene Verteidigung (II) Frühe Abweichungen

Beitrag von Volkmar Höhne » Montag 9. Januar 2017, 10:52

Nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Sxe4 ist der "Offene Spanier" auf dem Brett.

Statt der zumeist gespielten Fortsetzung 6.d4 (siehe Überblick im Einführungsbeitrag) bietet sich an dieser Stelle für Weiß auch die frühe Abweichung 6.Te1 mit sofortigem Angriff auf den "frechen" Springer auf e4 von Schwarz an. Auf eine Abdeckung mit z.B. dem recht natürlich aussehendem Zug 6...d5?! hat der Anziehende folgende gute Abwicklung mit 7.Lxc6+ bxc6 8.d3 parat.

Wo soll der bedrohte schwarze Se4 nun hin? Auf z.B. 8...Sf6 steht dem Weißen mit 9.Sxe5 (Rückgewinn des Bauerns) nebst der weiteren Folge 9...Le6 (noch am besten) 10.Sxc6 Dd6 11.Sd4 Le7 12.Sxe6 fxe6 13.De2 (mit Druck auf den rückständigen Bauern e6) zur Verfügung.

Fazit: Weiß besitzt nach 6...d5?! die deutlich bessere Position mit anhaltender Initiative. Das Manöver Sd2-f3-g5 mit weiterem Druck auf e6 ist hier eine mögliche Idee. Schwarz steht sehr passiv und wird wohl Materialverlust nicht vermeiden können.

Besser für Schwarz ist 6...Sc5!?

Nun würde Weiß nach 7.Lxc6 dxc6 (macht dem Läufer die Diagonale zu weiterer Entwicklung auf) mit 8.Sxe5 den Bauern zwar zurückerobern, aber nur minimal besser stehen. Das gibt so auch einen ersten kleinen Hinweis darauf, daß für Weiß 6.d4 (statt 6.Te1) nachhaltiger sein könnte!

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Volkmar Höhne
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Spanisch: Hauptsysteme-Offene Verteidigung (III) 6.d4-schwarze Nebenwege

Beitrag von Volkmar Höhne » Dienstag 10. Januar 2017, 14:10

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Sxe4 6.d4

Welche Züge sind bereits erprobt worden?
Variante A:
6...exd4 (Öffnet kritisch die e-Linie)

7.Te1 d5 (7...f5? 8.Sxd4 Df6 9.Sxc6 dxc6 10.f3 und Weiß gewinnt den Springer und steht deutlich besser. Z.B. 10...Lc5+ 11.Kh1 0-0 12.fxe4 fxe4 13.Sc3) 8.Sxd4 Ld6 9.Sxc6 Lxh2+ 10.Kh1 (10.Kxh2 Dh4 11.Kg1 Dxf2 12.Kh2 Dh4+ mit Dauerschach) 10...Dh4 11.Txe4+ dxe4 12.Dd8+ Dxd8 13.Sxd8+ Kxd8 14.Kxh2 und das entstandene ungewöhnliche Materialverhältnis führt zu leichtem Vorteil für Weiß. Z.B. 14...Le6 15.Le3 f5 16.Sc3 Ke7 usw.
Fazit: Erstaunlich, Schwarz kann sich offenbar bei genauem Spiel auf diese Variante einlassen. Allerdings erforderte es praktisch bei jedem Zug höchste Präzision bzw. vorab genaue Theoriekenntnisse! Im Bereich des Amateurschachs ist dieses Abspiel wohl weniger empfehlenswert.

Variante B:
6...d5 (Bauer besetzt mit Raumgewinn das Zentrum und überdeckt den Vorpostenspringer auf e4)

Nach der "normalen" Fortsetzung 7.Sxe5 Ld7 bietet sich Weiß mit 8.Sxf7 ein aussichtsreiches Opfer an.

Z.B. 8...Kxf7 9.Dh5+ Ke6 (9...g6 10.Dxd5+ Kg7 11.Dxe4 und Weiß steht klar besser)10.Lb3 Sb4 11.Te1 mit entscheidendem Angriff!
Fazit: eine wohl nicht ratsame Wahl für Schwarz.

Variante C:
6...Le7 (gebräuchlicher Entwicklungszug mit schneller Rochadeabsicht)

7.Te1 f5!? 8.dxe5 0-0 9.Lb3+ Kh8 10.Sc3 und Weiß steht besser.

Fazit: Schwarz gelang es, mit der frühen Rochade den König in Sicherheit zu bringen, dennoch ist seine Stellung gedrückt und er wird um den Ausgleich kämpfen müssen.

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