"Preußische Partie"

Beiträge zur Theorie der Schacheröffnungszüge
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Volkmar Höhne
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"Preußische Partie"

Beitrag von Volkmar Höhne » Freitag 30. Dezember 2016, 00:45

Die Grundstellung dieser Eröffnung ergibt sich aus dem "Zweispringerspiel im Nachzug"
(Siehe näheres unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Preu%C3%9Fische_Partie) und erreicht man so:
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6 (Ausgangsposition des Zweispringerspiels)) 4.Sg5 (Mit direktem Angriff auf den "neuralgischen" Punkt f7 im schwarzen Lager! Aber dafür zweimal hintereinander mit der gleichen Figur ziehen? Von Siegbert Tarrasch deshalb (angeblich) als "Stümperzug" bezeichnet!) d5 5.exd5 (siehe nachstehendes Diagramm)

Nun kann Schwarz zwischen verschiedenen Fortsetzungen wählen.
Als kritisch gilt hier die Variante 5...Sxd5?! (siehe nächstes Diagramm)

Dieser Zug führt zwar nicht unbedingt zum Verlust, ist aber auf jeden Fall eher schwach. Der Nachziehende sollte hier schon etwas "ins Geschäft" stecken, was er mittels 5...Sa5, 5...Sd4 oder sogar 5...b5 besorgen kann.
(Siehe dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Fegatello-Variante)

Als am stärksten wird nun 6.d4! angesehen (siehe folgendes Diagramm).

Zu der Alternative 6.Sxf7!? ("Fried Liver Attack") siehe https://www.youtube.com/watch?v=0ITi9Jc0J-o und https://www.youtube.com/watch?v=RfVxhL2ERok mit einer spektakulären Partie von GM Shirov während der Schacholympiade 2014!

In der vorherigen Diagrammstellung führt nun 6...exd4? (stellungsgemäß eine verfehlte Öffnung der e-Linie!) wegen 7.0-0! Le6 (Oder 7...Le7 8.Sxf7! Kxf7 9.Df3+ Ke6 10.Sc3+! dxc3 11.Te1+ mit klarem Gewinn für Weiß wegen der offenen e-Linie!) 8.Te1 (siehe nächstes Diagramm)

zum Gewinn! Z.B. 8...Le7 [zur Alternative 8...Dd7 mit zahlreichen Verwicklungen siehe den weiteren Beitrag "Preußische Partie" (Weitere Nachlese)] 9.Txe6! fxe6 10.Sxe6 Dd7 11.Ld5! (siehe nachstehendes Diagramm)

Da jetzt 11...Dxd5? an 12.Sxc7+ scheitert, hat Weiß bei überlegener Stellung zwei Figuren gegen einen Turm gewonnen.

Hier nochmals die Hauptvariante im Ablauf:

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Volkmar Höhne
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"Preußische Partie" (Nachträge)

Beitrag von Volkmar Höhne » Freitag 30. Dezember 2016, 10:54

In der Stellung nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6 4.Sg5 d5 5.exd5 Sxd5?!
6.d4! (siehe nächstes Diagramm)

war 6...exd4? mit Öffnung der e-Linie schwach. Nach 7.0-0! nebst Te1 bekommt Weiß zusätzliche Angriffsmöglichkeiten. Nach
Auch 6...Sxd4? kostet nach dem trivialen 7.c3 schließlich eine Figur.
Auf 6...Le7? folgt das bekannte Opfer 7.Sxf7! Kxf7 8.Df3+ Ke6 9.Sc3 Scb4
10.De4 mit wohl entscheidendem Angriff (siehe folgendes Diagramm).

Aber mit 6...Le6! 7.Sxe6 fxe6 8.dxe5 Sxe5 9.Dh5+ Sg6 kann Schwarz sich noch einigermaßen aus der Affaire ziehen (siehe nächstes Diagramm).

Auch die Möglichkeit 6...Lb4+ (um dem weißen Springer das Feld c3 zu nehmen) 7.c3 Le7 dürfte nach 8.Sxf7!? Kxf7 9.Df3 Ke6 10.De4 b5! 11.Lxb5 Sa5 ausreichen, denn das naheliegende 12.Dxe5?! führt nach 12...Kf7 13.0-0 c6! sogar zu einer besseren Stellung für den Nachziehenden (siehe nachstehendes Diagramm)!

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"Preußische Partie" (Weitere Nachlese)

Beitrag von Volkmar Höhne » Freitag 30. Dezember 2016, 14:09

Nach den bereits im ersten Beitrag "Preußische Partie" behandelten Zügen:
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6 4.Sg5 d5 5.exd5 Sxd5?! 6.d4! exd4? 7.0-0! Le6 8.Te1 kann nun auch 8...Dd7 (statt wie schon besprochen 8...Le7?) geschehen (siehe folgendes Diagramm).

Daraufhin opfert Weiß im üblichen Stil mit 9.Sxf7! und jetzt folgt 9...Kxf7 (Auf 9...Dxf7? geht nämlich einfach 10.Lxd5 wegen der Fesselung auf der geöffneten e-Linie durch vorher schwaches 6...exd4?) 10.Df3+ (siehe nächstes Diagramm)

Was soll Schwarz nun spielen? Versucht er 10...Kg8 (denn 10...Ke8? verliert nach 11.Lxd5 wieder eine Figur aufgrund der Fesselung in der zentralen Linie, bzw. auf 10...Kg6? führt 11.Txe6+ Dxe6 12.Ld3+ zu einem schnellen Matt!) antwortet Weiß mit dem starken 11.Txe6 und wenn jetzt 11...Td8 (da 11...Dxe6?? 12.Dxd5! Dxd5 13.Lxd5# und 11...Sce7 12.Txe7! sofort verlieren, bleibt sonst nur noch 11...Scb4, worauf 12.Te4! geschieht und der Anziehende deutlich besser steht. 12...Sxc2?? würde nun sogar zu einem raschen Ende nach 13.Te8! Txe8 14.Dxd5+ Dxd5 15.Lxd5# führen) so kommt die Fortsetzung 12.De4! mit gefährlichen Drohungen. Z.B. 13.Te8 mit ähnlichen Wendungen wie in der vorherigen Variante mit 11...Scb4 (siehe nachstehendes Diagramm).

Der schwarze Monarch steht auf g8 sehr gefährdet! Mögliche komplexe Abspiele wären z.B.: [I.Variante]12...Sa5 13.Te8! Sxc4 (13...Dxe8 14.Dxe8 Txe8 15.Lxd5+ nebst Matt)14.Txd8 Dxd8 15.De6# oder [II.Variante] 12...Scb4 13.a3 Sxc2 14.Te8! mit den bereits behandelten Abwicklungen oder [III.Variante] 12...Kf7 13.Df5+ Kg8 14.Lg5 Le7 15.Sa3 g6 16.Dxd5 Dxd5 17.Lxd5 und Weiß besitzt auch hier deutlichen Vorteil.

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"Preußische Partie" - "Fried Liver Attack"

Beitrag von Volkmar Höhne » Samstag 31. Dezember 2016, 15:00

Aus der folgenden Diagrammstellung beginnt nach den Zügen 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6 4.Sg5 d5 5.exd5 Sxd5?! 6.Sxf7! der sogenannte "Fried Liver Attack" (Die ebenso gute Alternative 6.d4! ist bereits in den vorherigen Beiträgen zur "Preußischen Partie" vorgestellt worden):

Hier zunächst ein "Feuerwerk" (zu Silvester!) der Schachtaktik:

Eine solche "Einstimmung" kann durchaus zu einem näheren Blick in die Einzelheiten dieser scharfen Eröffnung führen...

Nach den einleitenden Zügen 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6 4.Sg5 d5 5.exd5 Sxd5?! 6.Sxf7 Kxf7 (Was sonst?) 7.Df3+ ist folgende Stellung erreicht (siehe nächstes Diagramm):

Nun geht es weiter mit 7...Ke6 (Schwarz deckt seinen Springer, begibt sich dabei jedoch mit seinem König in eine gefährliche Lage! Stattdessen 7...Ke8? ist wegen 8.Lxd5 völlig aussichtslos.) 8.Sc3 (Weiß verstärkt den Druck.) 8...Scb4 (Passiver ist dagegen 8...Sce7 wegen der Verstellung des Läufers auf f8. Nach 9.d4 c6 behält der Anziehende z.B. mit 10.Lg5 nebst 11.0-0-0 weiterhin eine starke Initiative und verschiedene Angriffschancen auf den in der Mitte feststeckenden schwarzen König.) 9.a3! Der "Tanz" beginnt (siehe folgendes Diagramm):

9...Sxc2+ 10.Kd1 Sxa1 11.Sxd5 (siehe nächstes Diagramm)

Was tun? Weiß droht mit einem Abzugsschach. 11...Kd6 12.d4 Le6 (12...exd4? 13.Lf4+ mit durchdringendem Angriff oder 12...c6 13.Lf4! exf4 14.Dxf4 Kd7 15.Te1 und ebenfalls starker Druck - siehe den untenstehenden Nachtrag!) 13.Te1 b5 (siehe nachstehendes Diagramm)

Soweit die oben aufgeführte Partie mit GM Shirov. Jetzt wäre 14.Txe5 (statt 14.Sb4!?) noch stärker gewesen. Z.B. 14...bxc4 15.Sf4! Lg8 16.Td5+ Ke7 (16...Lxd5 17.Dxd5+ Ke7 18.De6#) 17.De4+ Kf6 18.De5+ Kf7 19.De6#

Nachtrag zu 12...c6:
S.Kayser-R.Middleton, Sydney 1977


Ein Festival des Mattspiels!

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"Preußische Partie"- "Fried Liver Attack" (Fortsetzung)

Beitrag von Volkmar Höhne » Sonntag 1. Januar 2017, 17:21

Nach den Zügen 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6 4.Sg5 d5 5.exd5 Sxd5?! 6.Sxf7! Kxf7 7.Df3+ Ke6 8.Sc3 Scb4 9.a3 Sxc2+ 10.Kd1 Sxa1 11.Sxd5 versuchte der Nachziehende hier auch mit 11...Dh4 (siehe nächtes Diagramm)

(anstelle von dem im ersten Beitrag zu "Fried Liver Attack" behandelten 11...Kd6) auf Gegenangriff zu spielen, da nun der weiße Läufer auf c4 in Gefahr ist. Die nachfolgend aufgeführten Partien mit 11...Dh4 zeigen, daß Weiß offenbar keinen vielversprechenden Angriff auf den exponierten schwarzen Monarchen anbringen kann und so Schwierigkeiten hat, seinen materiellen Nachteil zu kompensieren.


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