Studie und Praxis im Turmendspiel

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Volkmar Höhne
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Studie und Praxis im Turmendspiel

Beitrag von Volkmar Höhne » Dienstag 27. Dezember 2016, 18:40

Die folgende Diagrammstellung entstand nach dem letzten weißen Zug 76. h5

Diese Position ist nun für Schwarz dank einer überraschenden taktischen Feinheit gewonnen.
76... Ke1 77.h6 e2 78.Tf8 (Weiteres Vorrücken wäre zwecklos wegen 78...Tg7, gefolgt von Tf7 und Kf2) 78...Th3 79.Tf6 Kd2 80.Td6+ Kc2 81.Te6
81...Th4+! (Dies ist der Schlüssel zum Gewinn: zunächst den gegnerischen König eine Reihe weiter hinauftreiben und erst dann den Bauern wieder schützen) 82.Kb5 (Der Anziehende will verhindern, daß der König auf die 6.Reihe gerät. Auf 82.Kc5 Kd2 83.Td6+ Kc3 84.Te6 gewinnt 84...Th5+ und 85...Txh6! Diese Wendung wird möglich, wenn König und Turm auf derselben Reihe stehen.) 82...Kd2 83.Td6+ Kc3 84.Te6 (Auf 84.Tc6+ Kb3 85.Te6 entscheidet wieder 85...Th5+ und 86...Txh6) 84...Th5+ (Dasselbe Spielchen wie im 81.Zug, aber jetzt noch eine Reihe höher.) 85.Ka4 (Dank dem 82.Zug ist der König nicht gezwungen, die 6.Reihe zu betreten. Die Lage des Königs am Rande ermöglicht jedoch eine ähnliche taktische Pointe.)85...Kd3 86.Td6+ Kc4

87.Tc6+ (Auf 87.Te6 geschieht nun doch 87...Txh6!. Bei 88.Txe2 Ta6 wird der weiße König matt.) 87...Kd5
88.Tc1 Kd4 und Weiß gab auf. 0-1.
Hier ist die vollständige Partienotation:


Das eben in der Partie angewandte "Treppenmanöver" von Turm und König zeigt sehr gut die folgende Studie von Emanuel Lasker (Deutsches Wochenschach 1890):

1.Kb8! (jedoch nicht 1.Tf3? Ka7! mit Ausgleich.) 1...Tb2+ 2.Ka8 Tc2 3.Tf6+ Ka5 4.Kb7 Tb2+ 5.Ka7 Tc2 6.Tf5+ Ka4 7.Kb6 Tb2+ 8.Ka6 Tc2 9.Tf4+ Ka3 10.Kb6 Tb2+ 11.Ka5 Tc2 12.Tf3+ K auf der zweiten Reihe, 13.Txf2 und gewinnt.

Aus Oberhausen (Mannschaftseuropameisterschaft 1961) stammt noch ein weiteres Endspiel mit studienhaften Wendungen.

Durch 92...e2! erzwang der Nachziehende einen raschen Gewinn:
93.Kxf2 e1D+ 94.Kxg2 Dg3+ 95.Kf1 Dh3+ und Weiß gab auf. Er kann Turmverlust nicht vermeiden.
Nachfolgend steht hier die gesamte Partienotation:


Eine Analyse des jugoslawischen GM B.Milic machte jedoch einen sehr bemerkenswerten Vorschlag, um noch Widerstand im Turmendspiel zu leisten. Nach 92...e2! (siehe nachfolgendes Diagramm)

empfiehlt Milic 93.Lxe2 (statt 93.Kxf2 wie in obiger Partie) Txe2 und nun 94.Td3!? (siehe nachstehendes Diagramm)

Mit der Pointe 94...Kg4? 95.Tg3+! und der Anziehende erreicht ein Remis. Der Turm darf wegen Patt nicht geschlagen werden. Auf einmal ist der Gewinn nicht mehr so leicht. Deshalb ist 94...Kf5 (statt 94...Kg4?) der richtige Zug! Eine mögliche Fortsetzung wäre dann 95.Ta3 (95.Tg3 scheitert jetzt an 95...Te1+) 95...Ke4 96.Ta4+ Kf3 97.Ta3+ (Auf 97.Ta1 gewinnt 97...Kg3 98.Ta3+ f3!) 97...Te3 98.Ta1 (siehe nachfolgendes Diagramm)

Der ungarische GM Gedeon Barcza gibt nun eine interessante Gewinnführung an:
98...Tb3 99.Tc1 Kg4! (aber nicht 99...Kg3 wegen 100.Tc3+) 100.Kxg2 (100.Tc4 Kh3-+) 100...Tb2+ 101.Kg1 Kg3 mit einer bekannten theoretischen Gewinnstellung.

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