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Lerne kombinieren

Verfasst: Mittwoch 28. Dezember 2016, 14:11
von Volkmar Höhne
Gebundene Figuren
Die Wirkung eines Steines kommt nur dann zur Geltung, wenn er frei beweglich ist. Gefesselt oder an eine Deckungsaufgabe gebunden sinkt sein Wert beträchtlich. Die Ausnutzung von Bindungen spielt deshalb eine große Rolle.

Nachstehend zum Thema einige lehrreiche Beispiele:

Weiß steht hier leicht ersichtlich klar auf Gewinn. Der schwarze König besitzt dank des weißen Bauern auf g6 kein Fluchtfeld weg von der Grundreihe. Die schnellste Umsetzung des großes Vorteils bietet die Fortsetzung 29.Db5 mit direktem Angriff auf die geschwächte achte Reihe. Z.B. 29...Txb8 30.Dxb8 Kg8 (deckt die eigene Dame). Und nun trivial 31.Db3+(mit Doppelangriff auf König und den Turm auf c2) 31...Kh8 32.Dxc2+-
Ebenfalls gewinnt die Zugfolge 29.Txe8 Dxe8 30.Da4 (mit Doppelangriff auf De8 bzw. Tc2).
Hier wird noch - aus gutem Grund - die Partienotation nachgereicht:


Capablanca`s 29.Zug Da8?! (siehe folgendes Diagramm) vergibt eigentlich den Vorteil und dennoch gab Thomas das Spiel auf!

Einfach 29...Txa2! gleicht die Stellung aus. Und auf 30.Txe8 Txa8 31.Txf8+ Txf8 erhält Schwarz sogar einen Mehrbauer. Dieses Partiebeispiel stellt wahrlich eine treffliche Komödie dar!

Hier kommt nun ein komplexeres Beispiel:

Weiß setzte offenbar alles auf eine Karte. Er zog in der Diagrammstellung höchst riskant 19.d5?! und öffnete die für den eigenen König sehr gefährliche Diagonale g1-a7. Der Nachziehende antwortete mit 19...Lc5+. (Wie sähe es aber bei der Alternative 19...Te8!? aus? Es bietet sich dann 20.dxc6+ an. Am besten ist die Antwort 20...Kc7 und auf 21.Le3 folgt 21...Lc5 mit Fesselung des Läufers und Schwarz steht deutlich besser. Zieht Weiß stattdessen 20.Df2 erwidert Schwarz mit dem "Glanzzug" 20...Lc5 und gewinnt sofort wegen der geschwächten Grundreihe.) Es folgte 20.Kh1 b5 und auf 21.Lf4? gewänne 21...g5 statt Dh5.

Hier ist die gesamte Partienotation:


Das nächste Beispiel demonstriert das Motiv "Hängende" Figuren:

Henning-Behrens, Kiel 1934
1...Sd5? (Ein lehrreicher Fehler. Es war für Schwarz allerdings nicht leicht, den Druck abzuschütteln; versucht werden konnte 1...Lc8 oder 1...Dd7 nebst Ld8.) 2.Dxd5! (Das konnte man freilich leicht übersehen. Schwächer ist natürlich 2.exd5 wegen Lxg5)
2...Lxd5 (Wohl erzwungen.) 3.Sxe7+ Kh8 4.Sg6+
Mit Abzug auf die schwarze Dame

fxg6 5.Lxd8 Txd8 6.exd5

und Weiß gewann mit Mehrfigur.

Lerne kombinieren (II)

Verfasst: Montag 2. Januar 2017, 18:13
von Volkmar Höhne
Ein sehenswertes Matt!


Die Endstellung verdient ein extra farbiges Diagramm:

Lerne kombinieren (III)

Verfasst: Mittwoch 4. Januar 2017, 19:41
von Volkmar Höhne
Bochow-Giertz, corr. 1936

Weiß am Zuge
Schwarz besitzt zwar einen Mehrbauern, steht aber sehr gedrückt mit gefährdeter Königsstellung. Weiß hat praktisch alle seine "Kanonen" aufgefahren und braucht nur noch "loszufeuern". Wo ist der entscheidende Ansatzpunkt?
Die Bindung der schwarzen Dame an das Feld f6 läßt sich gleich auf zwei Arten ausnutzen. In der Partie geschah:
1.Da3!! und nach dem trivialen 1...Dd8 war nach 2.Df8+! Dxf8 3.Sf6# die Sache sehr schnell erledigt. 1-0.
Auch auf 1...d6 2.Dxd6 Dxd6 3.Sf6+ Dxf6 4.Td8+ Dxd8 5.Txd8+ Se8 6.Txe8# geht der Nachziehende bald an seiner schwachen Grundreihe zugrunde.
Es gibt aber weiterhin noch eine nicht weniger effektvolle "Nebenlösung":
1.Txd7!! Lxd7 2.Txd7 Td8!? Scheint durch die Mattdrohung auf d1 die Kombination zu widerlegen. Nun erfolgt jedoch 3.Dxe5 (droht Matt auf g7!) 3...Dxe5 ( oder 3...Se6 4.Txd8+ Dxd8 5.Sf6+ nebst baldigem Matt.) 4.Txd8 Se8 5.Txe8+ Dxe8 6.Sf6#

Demetriescu-Adam, corr. 1934

Schwarz am Zuge
1...De5! (Nutzt die Bindung der weißen Dame an das Feld d3 aus: 2.Dxe5? Sd3+ 3.Kb1 Txc1#. Oder auf 2.Tc4 folgt 2...Sd3+ nebst Dxd4) und der Anziehende gab sofort auf, da die dreifache Drohung Dxd4+, Sd3+ und Dxg3 nicht mehr zu parieren ist. 0-1.

Marshall-van Scheve, Monte Carlo 1904

Weiß am Zuge
1.h5! Te4 2.Lh6! und Schwarz gab auf wegen der geschwächten Grundreihe. 1-0.
Alllerdings war der Nachziehende ohnehin wehrlos, denn auf 1...De6 geschieht einfach 2.Dg3 und gegen Lh6 bzw.Lf6 ist kein Kraut gewachsen.
Auf 1...De4 gewinnt 2.Lf4+ Kf7 3.Ld6+ bzw. 2...Kh8 3.Le5+ mit Matt oder Damengewinn. Und nach 1...Dg7 2.h6 Dg6 (2...Se3 3.Df3!+-) 3.Tf6 Dc2+ 4.Ld2+ ist es ebenfalls aus. Wenn schließlich 1...Se3 so 2.Df3! mindestens mit Figurengewinn z.B. 2...Dxg5 3.Df7+ Kh8 4.Dxe8+ Kg7 5.Df8# oder 2...De6 3.Lxe3 Dxe3 4.Tg2+ Kh8 5.Df6# oder 2...Dd6+ 3.Lf4 und schwarze Springer geht auf jeden Fall verloren. Aber nicht 3.Kg1?! De6 4.Lxe3 Dxe3 und der weiße Tf2 ist gefesselt!

Lerne kombinieren (IV)

Verfasst: Samstag 7. Januar 2017, 10:37
von Volkmar Höhne
Loerbroks-N.N., Soest 1895

1.Dxb8! Sxb8 2.Lxb5+ Kf8 (Etwas besser ist 2...Sd7 aber nach 3.Txd7 kommt Weiß ebenfalls klar in Gewinnstellung.) 3.Td8+! Lxd8 4.Te8#

Breyer-Englund, Scheveningen 1913

1.Dxe7! Dxe7 2.Td8+ Le8 3.Txe8#

Wachtel-Weiß, Wien 1900

1.Dxf6! gxf6 2.Tg3+ Kh8 3.Lg7+ Kg8 4.Lxf6+ Kf8 5.Lh7 mit undeckbarem Matt.

Tschigorin-Blackburne, Wien 1898

Weiß besitzt Dame und Turm mehr, muß aber doch noch aufpassen; es droht z.B. Remis durch Dxa5+ und Dc3+.
1.Dfd4? droht zwar Df8+, gibt jedoch die Deckung des Feldes c1 auf! ( Allerdings 1.Dcd4! gewinnt.) 1...Dxa5+ 2.Ta2 De1+! 3.Sxe1 c1D#

Lerne kombinieren (V)

Verfasst: Mittwoch 1. Februar 2017, 12:29
von Volkmar Höhne
Wie konnte Schwarz hier die weiße Grundreihenschwäche ausnutzen?

25...Sxg2! 26.Tgxg2 (26.Tdxg2 Txa2-+) 26...Txa2 27.Txa2 Dxa2! (Die Pointe!) 28.Lf1 (28.Dxa2 Te1+ nebst Matt!) 28...Lxg2+ und 0-1.
Nachfolgend die gesamte Notation dieser Partie: